Kirschessigfliege

Merkblatt 101/2019 «Empfehlungen Drosophila suzukii im Rebbau»; Agroscope

Aus dem Juli-Newsletter von Agroscope (Abschnitt «Rebbau» von Patrik Kehrli, Agroscope, Changins)

Das Eiablagerisiko ist am Anfang der Traubenreife gering. Trotzdem sollten Parzellen mit sensiblen Rebsorten oder Rebberge mit beschädigten Trauben (Pilzbefall, Vögel, Wespen, Hagel…) gut überwacht werden, da Essigfliegen bevorzugt verletzte Beeren befallen. Auf frühreifen Rebsorten werden ab August die ersten Eiablagekontrollen durchgeführt und die Situation kann auf der Agrometeo Webseite «Drosophila suzukii Eiablage» abgerufen werden. Achtung: seit diesem Jahr wird eine sensiblere Boniturmethode verwendet und Eiablagen werden daher früher und in grösserer Anzahl festgestellt. Daneben informieren die kantonalen Pflanzenschutzdienste und der Branchenverband Deutschschweizer Wein (BDW) über die Befallssituation und mögliche Bekämpfungsstrategien.

Der Pflanzenschutz basiert weiterhin als erstes auf einer konsequenten Umsetzung aller vorbeugenden Methoden, insbesondere auf einer angepassten Entlaubung der Traubenzone, einer Ertragsregulierung vor Farbumschlag und einer niedrigen Begrünung ab Farbumschlag. Eine vorbeugende Bekämpfung mit engmaschigen Netzen bietet ebenfalls einen sehr guten Schutz gegen die Kirschessigfliege.

Des Weiteren fasst das aktualisierte Agroscope Merkblattes für den Rebbau die wichtigsten Informationen zur Eiablagekontrollmethode, zu Behandlungsentscheidungen und den bewilligten Produkten zusammen. Am Befallsanfang ist der Einsatz von Kaolin (Surround) oder gelöschtem Kalk (Nekagard 2) vorzuziehen. Die bisherigen Versuchsergebnisse weisen auf ein interessantes Wirkungspotential dieser beiden Produkte hin. Daneben haben Ausbauversuche gezeigt, dass diese Gesteinsmehle die Weinqualität nicht beeinflussen. Weisse Trauben und eingenetzte Reben sind daher kein Grund zur Besorgnis, sondern vielmehr das Erscheinungsbild eines modernen Pflanzenschutzes, der auf eine nachhaltige Lösung setzt und zu Mensch und Umwelt Sorge trägt. Die anderen zugelassenen Insektizide sollten als letztes Mittel eingesetzt werden und nur auf Anweisung durch die kantonalen Fachstellen. Einbezogen werden muss der voraussichtliche Erntetermin, die Wartefrist, die kurze Wirkungsdauer (5 bis 7 Tage) und die limitierte Anzahl bewilligter Applikationen. Vorbeugende Behandlungen vor dem Farbumschlag und nach der Ernte sind nutz- und wirkungslos. Alle zugelassenen Pflanzenschutzmittel und ihre Anwendungsauflagen sind unter www.blw.admin.ch aufgeführt. Neben der Rückstands- und Resistenzproblematik birgt der Einsatz von Insektiziden auch Gefahren für Nützlinge und er kann die öffentliche Wahrnehmung des Schweizer Weinbaus negativ beeinflussen.

Daneben sind wir daran interessiert, diesen Herbst die Wirkung von Kalk im Vergleich zu Kaolin im Rebberg zu überprüfen. Interessierte Winzer können sich gerne bei patrik.kehrli@agroscope.admin.ch melden.

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