Wertvolle, fachliche Informationen statt wortreiches Abstimmungsgeplänkel.

So könnte in einem Satz die rund 2 Stunden dauernde GV des Weinproduzentenverbandes (WPV) im Ebenrain in Sissach vom 7. Februar 2024 zusammengefasst werden. Für all diejnigen Mitglieder, die «echt verhindert» waren oder der Weg zum Ebenrain «zu anstrengend» war, hier eine kurze Zusammenfassung des Abends (gemäss Traktandenliste).

Zuerst aber durften die eintrudelnden Teilnehmer den Willkommens-Apéro geniessen, der von unserem Präsidenten, Andreas Buser, offeriert wurde. Gleichzeitig ein alljährlich wiederkehrendes Händeschütteln und Begrüssen bekannter, aber auch neuer Gesichter.

Begrüssung:

Etwa 50 Gäste durfte Andreas Buser in der grosszügigen Aula willkommen heissen und leider viele weitere entschuldigen.

Protokoll:
Auf die Nachfrage hin, ob er das 6- oder 7-seitige Protokoll der letzten GV23 herunterlesen soll, verzichtete man gerne. Schliesslich war es ja – wie anderes auch – vorgängig auf unserer Homepage nachzulesen.

Jahresbericht des Präsidenten:

«Das Verbandsjahr in Bildern» – so könnte man den kurzweilig vorgetragenen Jahresablauf von Andreas Buser beschreiben. Bestens versehen mit Eindrücken diverser Anlässe und mit passendem Kommentar, hin und wieder gewürzt mit dem bei Andi gewohnten Schalk. Hier einige erwähnenswerte Punkte daraus:

  • Die Jungweindegustation, organisiert von Ueli Bänninger und Urs Jauslin, fand reges Interesse und scheint auch weiterhin einem Bedürfnis in önologischen Fragen und Antworten gerecht zu werden.
  • Die Staatsweinkürung (BL/BS) hat sich etabliert. Wenn auch die Vorbereitungsarbeit der Vordegustation der eingereichten Weine für den WPV-Vorstand recht aufwändig ist, lohnt sich dies. Denn mit der vorangegangen Medienorientierung und der Finalkürung im Schloss Ebenrain geht eine Marketing-Präsenz für unsere regionalen Weine in Erfüllung, die an medialer und politischer Präsenz vor feudaler Schlosskulisse kaum zu überbieten ist.
  • Der Rebgang, anfangs September in Pratteln, war geprägt von einem grossen Menschenandrang und schönstem Wetter. Im Rebberg zeigte sich, wie sich die «launische» Vegetationsperiode auf die Pflegearbeiten in den Rebkulturen verschiedener Sorten und Behandlungsmethoden auswirkte. Möglichst diplomatisch gesagt: «… von gut bis schlecht»!
  • Die regelmässig durchgeführte Medien-Orientierung findet eigentlich im Hintergrund statt. So auch diejenige vom Herbst im Weingut Rinklin in Riehen. Eine «Win-Win-Situation» für den WPV und eigentlich auch für die Presse, wenn letztere der (meist mit Nachdruck eingeholten) Einladung in ein Restaurant oder raus in die Praxis auch wirklich folgt.
  • Das Weinfestival Basel wurde wieder mit einem Gemeinschaftsstand des WPV bespielt, die teilnehmenden WinzerInnen äusserten sich gesamthaft zufrieden. Einzig auf die 2-3 flauen Tage um die Wochenmitte sollte die Messeleitung verzichten.
  • Der Wine&Dine-Anlass im Bad Bubendorf war Dank der unterhaltsamen Moderation durch Urs Weingartner ein voller Erfolg. Einige Gäste mehr hätten noch Platz gehabt.

Zum Schluss bedankt sich Andreas Buser bei all denjenigen, die sich tatkräfitig für regionalen Weinbau und unseren Verband einsetzen. Angefangen bei den Vorstandmitgliedern, dem Vertreter der Fachstelle Rebbau am Ebenrain, Urs Weingartner, dem hier Schreibenden für die Pflege dieser WPV-Homepage und zu guter Letzt auch (nachträglich und dem nicht anwesenden) abgetretenen Ebenrain-Leiter Lukas Kilcher, der sich während seiner Amtszeit immer aufbauend für unseren Verband stark gemacht hatte.

Information aus der Fachstelle Rebau:

Die Balken und Kurven in den Statstiken sind fast eine Leidenschaft von Urs Weingartner. Er weiss sie aber auch den Zuhörern einleuchtend zu erklären:

  • Die Zunahme der jährlichen Temperatur-Durchschnitte (Klimaerwärmung). Ein Fluch oder Segen für den Rebbau?
  • Das Ausbleiben oder der unter dem Jahr schlecht verteilten Niederschläge.
  • Die erfreulichen Rekordernten der letzten zwei Jahre im Vergleich zu den Jahren vorher (siehe Bild unten)
    2018: 1036 to2023: 999 to2016: 869 to – 2022: 843 to – usw.

Zum Gesundheitszustand der Reben im 2023 meint Urs Weingartner, dass der Falsche Mehltau und Botrytis bei «normaler» Pflege gut in Schach zu halten waren. Der Echte Mehltau hingegen brachte mehr Kopfzerbrechen, weil er unerwartet stark zuschlagen konnte. Hitzeschäden v.a. bei Blauburgunder waren keine Seltenheit. Die KEF konnte sich dort etwas ausbreiten, wo Mikrorisse in der Beerenhaut durch Niederschläge oder dem Echten Mehltau entstanden sind oder dann auch bekannte, sortenbedingte Attacken.

Aktivitäten im 2023 der Fachstelle Rebbau im Ebenrain (u.a.):

  • WinzerInfo ist beliebt und wird in dieser Art auch weitergeführt.
  • Es wurde ein Weinseminar durchgeführt.
  • Die Kürung des Staatsweines im Juni, immer wieder eine organisatorische Herausforderung.
  • Der regelmässig ausbgebuchte Rebbaukurs erfreut sich grosser Beliebtheit.
  • «Arbeitskreis Nordwestschweiz für Weinbau» ist interkantonal aktiv. (Thema z.B.: PIWI-Sorten).
  • Info-Stände zum Thema «Neue Sorten» am Wy-Erläbnis, am Ebenraintag und am Weinfestival.

Auch künftig dürfen wir auf die Unterstützung durch die Fachstelle zählen. Sie setzt sich weiterhin für das Monitoring und gegen die Verbreitung gefährlicher Insektenarten (KEF) oder Krankheiten wie Schwarzholz oder Goldgelbe Vergilbung ein. Im Gegenzug erwartet die Fachstelle von uns Weinproduzenten, dass wir solche im Rebberg auftauchenden Gefahren umghend melden, damit sofort passende Gegenmassnahmen getroffen werden können. Das ist ein Aufruf!!

Informationen aus dem BDW (Branchenverband Deutschweizer Wein)

Urs Jauslin ist unser Vertreter beim BDW, der auch Swiss Wine Promotion angegliedert ist. Die Verbände, umfassend 19 deutschschweizer Kantone und Liechtenstein, arbeiten gut zusammen und entwickelten in den letzten Jahren zahlreiche Projekte, die sich sehen lassen können. Hier einige Highlights:

  • Fachspezifische Rechtsberatung, speziell für Fragen in der Kellerbuchhaltung.
  • Karbon-Kompensation-Homologierung, ein Pilot-Projekt des BDW zur Vermeidung und Verwertung des unerwünschten CO2.
  • Verwaltung und Verteilung der Gelder für Förderungsmassnahmen in der Landwirtschft, z.Z. max. 3 Mio CHF/Jahr, aber nur, wenn die Produzenten ebenfalls soviel beisteuern. Im Weinbau ist Swiss Wine Promotion für Marketing- und Verkaufsförderungsmassnahmen zuständig. Deren Finanzierung erfolgt durch Hektar- und Keltereibeiträge der Produzenten auf Basis eines «Allgemeinverbindlichkeits-Gesetzes».
  • Ausbildung (Teilnahme an Berufsmessen); Weiterbildung (z.B. Kommunikation, Nachfolgeregelung).
  • Anlässe wie «Offene Weinkeller», «Weinfestival Winterthur», «Am Puls der Ernte» usw.
  • Weinbauzentrum Wädenswil – ist jetzt finanziell selbsttragend.

Für 2024 und die nächsten Jahre stellt das BDW noch rund ein Dutzend weitere Projekte in Aussicht. Die (Freiwilligen-)Arbeit geht auch dort nicht aus.

Zu den «obligatorischen» Traktanden
  • Die mit einem Gewinn abgeschlossene Rechnung 2023, das Budget 2024 und der Revisorenbericht wurden genehmigt, bzw. der Vorstand damit entlastet.
  • Die Mitglieder- und Hektarenbeiträge 2024 bleiben unverändert und werden so genehmigt.
  • Mutationen; 1 Austritt, 7 (erfreuliche) Neueintritte, 1 Mitglied gestorben (Kurt Straumann).
  • Wahlen: Der ganze Vorstand und der Präsident werden wiedergewählt und mit Applaus bestätigt.
    Andreas Buser bedankt sich für das Wahlergebnis, mahnt aber gleichzeitig daran zu denken, dass ab nächstem Jahr Austritte aus dem Vorstand angemeldet sind und bereits jetzt nach potentiellen Nachfolgern Ausschau gehalten werden soll.
Verschiedenes:
  • Neue Regelungen beim Staatswein: Vereinfachung bei den Kategorien (siehe später auf der Homepage). Bitte Weine zur Einreichung bereits jetzt schon planen.
  • Andreas Buser ärgert sich über die intransparente und bürokratische Rückvergütung von Werbegeldern bei «Swiss Wine Promotion» und legt auch gleich eine provokative Folie auf:
  • Ernst Schläpfer bedankt sich (vermutlich auch im Namen der anwesenden Mitglieder) für die vielfältige, anspruchsvolle und resultatsorientierte Arbeit des Vorstandes und den sachlichen Verlauf der GV. 54 Jahre sind seit seiner 1. Teilnahme an einer GV des WPV vergangen. Damals sei praktisch nur über Geld und Wahlen gequasselt und gestritten worden, das sei heute ganz anders, da werde wertvolle Hintergrundabeit geleistet.
Die Generalversammlung 2025:

Oberdorf hat sich für die Durchführung der GV am 5. Februar 2025 zur Verfügung gestellt. Vielen Dank.
Bitte Datum jetzt aufschreiben! Das erspart Entschuldigungen!

Text und Fotos: Michael Jud / 08.02.24

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